Getagged: Mitarbeiter

Miaua!

Photograph Sssssshhhhh... by Claudia Gaiotto on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Unsere Personalchefin hängt an ihre E-Mails an die Belegschaft immer Fotos oder sogar kurze Videos von herzigen kleinen Kätzchen an. Und das Hintergrundbild der Mails besteht aus rosa Katzenpfoten. Mein Problem ist, dass ich herzige kleine Kätzchen hasse. Jedenfalls in Form von kitschigen, gestellten Fotos und Filmen. Ich habe mir schon überlegt, ob ich an mein Antwortmail ein Bild von Katzen an einem chinesischen Tiermarkt hänge. Da gibt es recht explizite Sachen im Netz. Das wäre doch ein klares Signal, oder? Remo, 28, Business Analyst

Lieber Remo

Es gibt kein Recht auf Haustierhaltung am Arbeitsplatz. Die Halter von Hunden, Katzen, Kanarienvögeln, Wüstenspringmäusen, Vogelspinnen, Meer- und und anderen Schweinchen sind dem Goodwill des Arbeitgebers ausgeliefert. Das gilt auch für Tiere in Mail-Anhängen, Bildschirmschonern und Hintergrundbildern.

Die meisten Unternehmen wünschen sich nichts sehnlicher als Mitarbeiter, die sich voll und ganz in die Firma einbringen. Mit ihrer ganzen Zeit und Persönlichkeit. Und da sich am ehesten voll einbringt, wer voll und ganz sich sein kann, tun Unternehmer gut daran eine Auge zuzudrücken. Zum Beispiel wenn Mitarbeiter nach dem dritten Feierabendbier ins Geschäft zurückkehren und die Krawatte des Vorgesetzten schreddern. Hauptsache, der Output stimmt.

Wer in der Kreativbranche gearbeitet hat, weiss: herzige kleine Kätzchen sind nur die Spitze des Eisbergs. Choupette Lagerfeld, die Katze von Karl Lagerfeld, hat sogar einen eigenen Twitter-Account. Üben Sie Toleranz. Bestimmt haben auch Sie eine Marotte mit denen Sie die Mitmenschen bewusst oder unbewusst zur Weissglut treiben.

Vom Versand einschlägiger Bilder aus chinesischen Tiermärkten rate ich Ihnen ab. Wir reden hier von Ihrer Personalchefin. Es sei denn Sie möchten statt ein Kätzchen eine Kündigung im Attachment öffnen.

Mit tierischen Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-ND 3.0)

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Zwölf mal besser

reunion before say goodbye by Ian Zhan

Lieber Chef vom Ganzen. Im Zusammenhang mit dieser 1:12-Initiative habe ich mit einigen Kollegen nach Feierabend über Löhne diskutiert. Zuerst ganz allgemein, aber nach ein paar Bier sind plötzlich konkrete Zahlen gefallen. Wir waren zu fünft, und das Resultat: Wir sind alle enttäuscht. Wir haben alle die gleiche Funktion und ähnliche Qualifikationen und verdienen alle völlig unterschiedliche Beträge. Jeder von uns ist sauer, weil mindestens ein anderer mehr verdient als er. Und der Bestverdienende ist unzufrieden, weil er weniger verdient als sein Freund in einem anderen Unternehmen. Aber wir können ja nun nicht zu fünft gemeinsam in Lohnverhandlungen gehen, oder wie siehst du das? Sascha R., 29, Elektrozeichner

Lieber Sascha

Gleiches mit Gleichem vergelten ist unmenschlich. Davon rät sogar die Bibel ab. Auch wenn Sie und Ihre Feierabend-Kollegen dieselbe Schulbank gedrückt, dieselben Bücher studiert, dieselben Dozenten belächelt und am Ende dasselbe Stück Papier in der Hand halten – ihr seid nicht dieselben.

Zum Glück nicht. Menschen funktionieren nicht wie Roboter. Wir verfügen alle über eigene Hardware. Und laufen auf einem eigenen Betriebssystem. Die Software mit den Unternehmensprozessen muss bei jedem anders installiert werden. Klar, dass auch die Kosten dafür variieren. Genau wie die Ergebnisse. Weil jeder seine Funktion anders wahrnimmt, macht jeder einen anderen Job. Der notabene auch anders bezahlt wird.

Dann kommt der Faktor Zeit dazu. Haben sich im Frühling 50 Bewerber für eine Stelle gemeldet, dümpeln im Herbst nur noch drei herein. Angebot und Nachfrage beeinflussen den Lohn genauso stark wie Abschlussnoten, Berufserfahrung, Ausdrucksweise, Haarschnitt, Minirock und Verhandlungsgeschick.

Vergleiche anstellen ist nur allzu menschlich. Entscheidend ist, welche Schlüsse wir daraus ziehen. Was empfinden Sie, wenn Sie an die höheren Löhne Ihrer Kollegen denken? Ungerechtigkeit? Enttäuschung? Wut und Frust? Oder Anerkennung und Respekt? Hoffnung? Chancen? Und die Motivation, alles zu geben, um sie zu übertrumpfen? Vielleicht sogar zwölf mal? Es liegt ganz bei Ihnen.

Mit 1:1-Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

>i>Photo by Ian Zhan (CC BY-NC-ND 3.0)

Was sind Geschäftsideen wert?

Money by Bong Grit

Lieber Chef vom Ganzen. Wir haben neuerdings in der Kantine eine «Ideenbox». Jeder Angestellte kann Vorschläge zur «Verbesserung der Effizienz oder Steigerung des Umsatzes» auf eine Karte schreiben und reinwerfen. Jeden Monat wird ein Sieger gekürt, der dann einen zusätzlichen freien Tag erhält. Ich halte das für eine linke Tour. Ich hätte viele Ideen für eine massive Umsatzsteigerung, aber die gebe ich doch nicht für einen einzigen freien Tag her. Wie sehen Sie das? Rouven, 36, Product Manager

Lieber Rouven

Das ist keine linke Tour. Im Gegenteil. Die eigenen Mitarbeiter fragen und mitbestimmen lassen, ist ein lobenswerter Vorstoss des Managements. Und besser als eine Gruppe von HSG-Abgängern in McKinsey-Kostümen zu engagieren, deren Konzepte zur Steigerung von Effizienz, Umsatz und vor allem Gewinn meist darin gipfeln, dass die eine Hälfte der Mitarbeiter gehen muss und die andere Hälfte nur noch die Hälfte verdient.

Die jeweils beste Idee mit einem freien Tag zu honorieren, mag kleinlich klingen. Ist aber verdammt clever. Denn ein freier Tag ist für alle Mitarbeiter gleich viel wert. Egal auf welcher Stufe sie stehen, egal wie viel sie verdienen.

In jedem Betrieb schlummert kreatives Potenzial. Man muss es nur finden und nutzen. Lassen Sie sich darauf ein. Falls Ihre Ideen tatsächlich so massiv einschlagen wie Sie behaupten und jeden Monat abräumen, gewinnen Sie nicht nur einen freien Tag. Sondern auch den Respekt der gesamten Belegschaft. Und Sie empfehlen sich als der Mann mit den Gewinn bringenden Ideen.

Die Geschäftsleitung wird von alleine drauf kommen, dass Sie anstatt zwölf Tage im Jahr länger als alle anderen an der Sonne brutzeln, besser arbeiten würden. Um mit noch mehr Ideen noch mehr Umsatz zu generieren. Das macht Sie absolut unverzichtbar und wertvoll. Genau so werden Sie Chef.

Mit einem Sonnenbrand
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-NC-ND 3.0)

Flower-Power

Photograph Pink flower tree by Honey Amarento-Borja on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Ich habe meiner Frau in der Mittagspause Blumen gekauft. Dazu gabs ein Kärtchen mit klaren Worten der Liebe, aber leider ohne konkrete Anrede. Zurück im Büro habe ich, um einen dringenden Anruf entgegenzunehmen, den Strauss kurz mal hingelegt – und zwar auf den Tisch einer Kollegin. Diese hat die Blumen leider schneller behändigt als ich und ist nun offensichtlich überzeugt, sie hätten ihr gegolten. Ergebnis: Sie schmachtet mich seither offen an. Den Moment der Wahrheit habe ich bereits verpasst. Was nun? Armin, 49, Head of Business Analysis

Lieber Armin

The power of flowers. So heisst der Slogan von Fleurop. Und er stimmt offensichtlich. Erinnert mich an einen meiner Lieblings-TV-Spots. Der lief vor ein paar Jahren. Ohne Aufschrei und ohne Sexismus-Debatte. Wohnzimmer. Feierabend. Wir sehen von hinten einen Mann bequem in seinem Sessel sitzen, die Hand auf der Lehne. Es läuft Fussball. Der Mann öffnet seine Hand. Die Frau läuft ins Zimmer und stellt ihm ein Bier hin. Abblender. Logo Fleurop. Und Slogan: The power of flowers.

So weit so schön. Aber nun hat ja Ihre Arbeitskollegin die Blumen erhalten und nicht Ihre Frau. Falls Sie verhindern möchten, dass Ihnen Ihre Arbeitskollegin in den Sitzungen wortlos Kaffee in die Hand stellt, sollten Sie die Situation klären.

Sie stehen in einer ungünstigen Lage. Sie haben Zuneigung vermittelt. Egal wie ihre Erklärung dafür ausfällt, dass es eigentlich nicht so ist, die Mitarbeiterin wird ein Gefühl der Zurückweisung erleben. Unerwiderte Liebe. Darauf reagieren Frauen (wie Männer) äusserst empfindlich.

Vielleicht kaufen Sie nochmals zwei Blumensträusse. Einen für Ihre Frau. Und einen für die Arbeitskollegin. Offenbaren Sie der Mitarbeiterin die Wahrheit. Dass der erste Strauss eigentlich für Ihre Frau gemeint war. Dass Sie sich geschmeichelt fühlen, ehrlich, diese Gefühle aber leider nicht erwidern können. Sie sind ja verheiratet.

Danach wird sie Sie nicht mehr offen anschmachten. Im Gegenteil. Mit Enttäuschung müssen Sie rechnen. Aber indem Sie die Gefühle der Mitarbeiterin ernst nehmen und sich mit einem Blumenstrauss dafür bedanken, ziehen Sie sich als Gentleman aus der Affäre. Es sei denn Sie suchen eine solche. Dann sollten Sie, aber das ist eine andere Frage.

Mit roten Rosen
Ihr Chef vom Ganzen

500px (CC BY-ND 3.0)

Mir stinkts

1956 Hygiene Ad, Listerine Antiseptic Mouth Wash, with Young Couple at Malt Shop

Sehr geehrter Chef vom Ganzen – ich schreibe Sie an, weil ich so nicht mehr arbeiten kann. Seit 4 Wochen haben wir einen neuen MItarbeiter (Name tut hier nix zur Sache), mit dem ich in meinem Büro zusammensitze. Eigentlich ist er sehr sympathisch, aber er hat ein sehr akutes Hygieneproblem. Damit meine ich, dass dieser Mensch sehr streng riecht. Bei den Temperaturen kann ich ja nun nicht ständig lüften. Und ihm einfach nen Deo oder Seife morgens auf den Tisch zu legen ist auch nicht gerade die feinste Art. Hinzukommt noch die Tatsache, dass er überdies ein sehr schweres After Shave benutzt, was mir zusätzlich Kopfschmerzen bereitet. Wie kann ich das Problem des „Stinkers“ so lösen, ohne ihm auf die Füsse zu treten oder als Mobber hingestellt zu werden? Erbitte um eine schnelle Antwort, Danke im Voraus, Urs Schmied, Human Ressource Leiter eines Grossunternehmens

Sehr geehrter Herr Schmid

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Die einen stehen auf Tabac, Polo, Cool Water, Bleu de Chanel oder Aqua di Giò, die anderen auf Géstanque. Oder Nature. Wussten Sie, dass Steve Jobs gemäss seiner lesenswerten Biografie in einer frühen Hippie-Phase nur einmal die Woche geduscht haben soll, weil er meinte dank seiner Ernährung nicht zu riechen?

Da wo ich aufgewachsen bin, nicht im Silicon Valley, aber am Oberen Zürichsee, gab es eine Frau mit einem ähnlichen Problem wie Ihr Mitarbeiter es hat. Man nannte sie «Biber-Trudi». Als besonders problematisch stellte sich bei Trudi heraus, dass Sie regelmässig Bus fuhr. Und niemand neben ihr sitzen wollte. Auch nicht in der Reihe vor oder nach ihr.

Die Fahrgäste hielten sich die Nase zu. Aber das wars dann auch. Nur kleine Kinder und Betrunkene waren ehrlich, mutig oder unschweizerisch genug das Malheur in Worte zu fassen. Und genau das möchte ich Ihnen raten. Sie könnten einen Mitarbeiter-Apéro mit Wodka und Champagner organisieren und darauf hoffen, dass sich jemand ein Herz fasst.

Oder Sie bringen mal wieder ihre Kinder mit ins Büro. Oder organisieren einen Eltern-Kind-Tag in der Firma, damit die Kleinen sehen, wo ihr Papa oder ihre Mama arbeitet. Oder laden eine Schulklasse für eine Bürobesichtigung ein.

Mit duften Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Classic Film (CC BY-NC 2.0)