Getagged: Lohnkosten

Zwölf mal besser

reunion before say goodbye by Ian Zhan

Lieber Chef vom Ganzen. Im Zusammenhang mit dieser 1:12-Initiative habe ich mit einigen Kollegen nach Feierabend über Löhne diskutiert. Zuerst ganz allgemein, aber nach ein paar Bier sind plötzlich konkrete Zahlen gefallen. Wir waren zu fünft, und das Resultat: Wir sind alle enttäuscht. Wir haben alle die gleiche Funktion und ähnliche Qualifikationen und verdienen alle völlig unterschiedliche Beträge. Jeder von uns ist sauer, weil mindestens ein anderer mehr verdient als er. Und der Bestverdienende ist unzufrieden, weil er weniger verdient als sein Freund in einem anderen Unternehmen. Aber wir können ja nun nicht zu fünft gemeinsam in Lohnverhandlungen gehen, oder wie siehst du das? Sascha R., 29, Elektrozeichner

Lieber Sascha

Gleiches mit Gleichem vergelten ist unmenschlich. Davon rät sogar die Bibel ab. Auch wenn Sie und Ihre Feierabend-Kollegen dieselbe Schulbank gedrückt, dieselben Bücher studiert, dieselben Dozenten belächelt und am Ende dasselbe Stück Papier in der Hand halten – ihr seid nicht dieselben.

Zum Glück nicht. Menschen funktionieren nicht wie Roboter. Wir verfügen alle über eigene Hardware. Und laufen auf einem eigenen Betriebssystem. Die Software mit den Unternehmensprozessen muss bei jedem anders installiert werden. Klar, dass auch die Kosten dafür variieren. Genau wie die Ergebnisse. Weil jeder seine Funktion anders wahrnimmt, macht jeder einen anderen Job. Der notabene auch anders bezahlt wird.

Dann kommt der Faktor Zeit dazu. Haben sich im Frühling 50 Bewerber für eine Stelle gemeldet, dümpeln im Herbst nur noch drei herein. Angebot und Nachfrage beeinflussen den Lohn genauso stark wie Abschlussnoten, Berufserfahrung, Ausdrucksweise, Haarschnitt, Minirock und Verhandlungsgeschick.

Vergleiche anstellen ist nur allzu menschlich. Entscheidend ist, welche Schlüsse wir daraus ziehen. Was empfinden Sie, wenn Sie an die höheren Löhne Ihrer Kollegen denken? Ungerechtigkeit? Enttäuschung? Wut und Frust? Oder Anerkennung und Respekt? Hoffnung? Chancen? Und die Motivation, alles zu geben, um sie zu übertrumpfen? Vielleicht sogar zwölf mal? Es liegt ganz bei Ihnen.

Mit 1:1-Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

>i>Photo by Ian Zhan (CC BY-NC-ND 3.0)

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Mehr oder weniger Lohn?

Money can't buy happiness by Paulo Cesar LOPES PEREIRA

Lieber Chef vom Ganzen. Ich habe ein Problem, das laut meinen Freundinnen keines ist, aber mich belastet es. Ich verdiene mehr als mein gleichaltriger Kollege, der exakt dieselbe Ausbildung und dasselbe Jobprofil hat wie ich und erst noch etwas länger im Betrieb arbeitet als ich. Es gibt keine vernünftige Begründung für diesen Lohnunterschied. Nun frage ich mich, ob mein Chef etwas will von mir, denn anders ist diese bevorzugte Behandlung doch gar nicht zu erklären? Tatjana, 25, Junior Consultant PR.

Liebe Tatjana

Schalten Sie den Fernseher ein. Da kriegen Sie es vorgeführt. Der Eine isst Würmer und Stierhoden für ein bisschen Ruhm auf RTL. Der Andere lässt für eine Million Dollar einen fremden Mann mit seiner Ehefrau schlafen. Es mag unmoralisch klingen, aber die nackte Wahrheit ist: jeder Mensch hat seinen Preis. Und dieser hat nur bedingt zu tun mit Ausbildung, Fachausweisen und Diplomen. Sondern mit Stolz, Würde und Erfahrung.

Das ist im Arbeitsleben nicht anders. Das Spiel heisst: Angebot und Nachfrage. Obwohl Ihr Chef von allen PR-Beratern dieselbe Leistung verlangt, ist er doch bereit für den einen oder anderen mehr zu zahlen. Menschen sind emotionale Wesen und entscheiden nicht rational. Nicht mal dann, wenn es um Maschinen geht. Oder weshalb kaufen die einen ein iPhone und die anderen ein Galaxy? Obwohl beide Geräte (fast) dieselben Funktionen bieten?

Wenn Sie trotz gleichem Jobprofil, gleicher Ausbildung und weniger Erfahrung mehr verdienen, bieten Sie Ihrem Chef offenbar einen Mehrwert. Das kann Ihr gewinnendes Auftreten sein, Ihre Durchsetzungskraft, Ihre Loyalität, Ihr Arbeitswille, Ihre positive Energie, Ihre unvergleichliche Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen, Ihr Talent, Kunden zu beschwichtigen, Ihr Humor, Ihr Drive, Ihr Witz, Ihr Parfüm oder einfach nur Ihre langen blonden Haare. Das kann 1001 Gründe haben.

Finden Sie heraus, was es ist. Fragen Sie Ihren Chef, Ihren Partner, Ihre Freunde. Gucken Sie in den Spiegel. Wenn Sie wissen, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen, besitzen Sie ein mächtiges Arsenal, das Sie zu Ihren und den Gunsten anderer einsetzen können. Beim nächsten Vorstellungsgespräch zum Beispiel oder bei der nächsten Lohnverhandlung.

Dass Sie den Wunsch hegen, gleich behandelt zu werden wie alle anderen, ich nehme an um der Harmonie willen, das kann ich verstehen. Ein ehrbarer Gedanke. Aber vergessen Sie nicht: Man kann nicht alle Menschen gleich behandeln. Weil sie nicht alle gleich sind. Das funktioniert nicht mal in der Armee. Worauf es ankommt, ist Fairness und Respekt. Das hält die Herde zusammen. So, und jetzt ist gut, ich klinge schon so, als könnte ich der nächste Papst werden.

In nomine Domini
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Paulo Cesar Lopes Pereira (CC BY-NC 3.0)

Licht aus, Fenster zu

Laying in the window by Maarten Scholtheis

Lieber Chef vom Ganzen. Mir ist die Umwelt wichtig. Damit bin ich bei unserer Personalvermittlungsagentur allerdings der einzige. Wenn die Leute hier was trinken wollen, drehen sie den Wasserhahn im Pausenraum auf und gehen erst mal in Ruhe pinkeln, damit das Wasser danach schön kalt ist. Das Licht brennt sowieso permanent in jedem Raum, inklusive der Abstellkammer mit Putzmitteln und Kopierpapiervorrat. Geheizt wird permanent auf Volltouren bei offenen Fenstern. Ich habe mich mal hingesetzt und ausgerechnet, was wir bei vernünftigem Umgang mit Energie und Wasser sparen könnten und bin auf eine dreistellige Zahl pro Monat gekommen. Diese Bilanz würde ich gerne dem Chef vorlegen, denn Zahlen überzeugen ihn meistens. Ist das eine gute Idee oder droht mir danach Mobbing der anderen? Stefan K. (36), Personalberater

Lieber Stefan

Mit einer dreistelligen Zahl pro Monat locken Sie Ihren Chef leider nicht hinter dem geheizten Ofen hervor. Auch wenn jeder Rappen zählt, im Verhältnis zu den Lohnkosten bereiten die Aufwendungen für das Büro inklusive Strom und Wasser keinem Chef Kopfzerbrechen. Anders gesagt: Strom ist günstig. Viel günstiger als Mensch. Deshalb arbeiten in vielen Unternehmen bereits Roboter. Bei offenem Fenster, ohne Heizung, ohne Licht, ohne Wasser und ohne teure Mitarbeiteranlässe.

Wenn Sie das Thema auf die Menschen statt auf die Energie lenken, haben Sie bei Ihrem Chef vielleicht mehr Erfolg. Wussten Sie, dass die optimale Temperatur für Büroarbeit, also eine leichte Tätigkeit im Sitzen, 20 Grad Celsius beträgt? Bereits bei 28 Grad Celsius sinkt die Leistungsfähigkeit um fast ein Drittel, bei 33 Grad Celsius auf 50 Prozent. Die Heizung neu so einzustellen, dass nie mehr als 20 Grad erreicht werden, dürfte damit leicht zu argumentieren sein.

Das Thema Licht lösen Sie mit Energiesparlampen. Gibt ja gar keine anderen mehr zu kaufen. Und dann besorgen Sie sich ein paar Wasserhahnaufsätze von AquaClic und sparen im Büro so mehr als die Hälfte des Wassers ein.

Das Gute an diesen Massnahmen: Sie brauchen nicht mehr ständig darauf zu achten, ob jemand das Licht brennen, das Wasser laufen oder das Fenster offen lässt. Und können sich wieder voll und ganz auf Ihre Arbeit konzentrieren. Ihr Chef wird sich freuen, wieder den vollen Return auf sein Investment (Ihre Lohnkosten) zu erhalten.

Viel Energie wünscht Ihnen
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Maarten Scholtheis (CC BY-NC-ND 3.0)

Dulden oder Diebstahl?

Cold Hearted

Lieber Chef. Letzthin habe ich einen privaten Brief in unseren Postausgang im Büro gelegt und prompt ein schlechtes Gewissen gehabt. Da gibts ja noch viele ähnliche Beispiele. Ein paar Seiten für den Schulvortrag des Sohnes farbig im Büro ausdrucken, beim Büromaterial einen Leimstift oder Druckerpapier für zuhause mitgehen lassen, private Telefonate mit dem Geschäftsanschluss führen. Laut Gesetz ist das Diebstahl, das ist mir schon klar. Aber irgendwie machen das doch alle, oder? Was tolerieren Sie in Ihrem Betrieb? Wo hört das Dulden auf, wo fängt der Diebstahl an? Herzlichst, Simone (28), Buchhalterin

Liebe Simone

Gesetz ist Gesetz. Und Geschäft ist Geschäft. Aber es gibt nichts, was der Chef lieber mag als Angestellte, die auch ausserhalb der Geschäftszeiten an das Geschäft denken. Und sei es nur, dass im Geschäft halt der bessere Kopierer steht als zu Hause. Ist doch schön, dass das Geschäft etwas zu bieten hat, das auch privat von Nutzen ist.

Also alles kein Problem. So lange es im Rahmen bleibt. Um für diesen Rahmen ein Gefühl zu kriegen, insbesondere wenn die Kopiertätigkeit regelmässigen Charakter annimmt, empfehle ich ein persönliches Gespräch. Äussern Sie ganz direkt, welche Infrastruktur Sie wie häufig gut gebrauchen könnten. Und welch grossen Nutzen Sie, Ihre Kinder und Ihre Verwandten in Australien daraus ziehen. Ihr Chef wird diese Zusatzleistungen grosszügig dulden, wenn Sie im Gegenzug beim nächsten Lohngespräch kulant sind. Denn was in einem Unternehmen wirklich relevante Kosten verursacht, sind weder der Drucker, noch das Telefon, noch der Computer, noch die Mietkosten fürs Büro und auch nicht die Stabilo Bosse. Es sind die Löhne.

Nehmen wir einen Betrieb mit 15 Mitarbeitenden und alle verdienen CHF 6000.- brutto pro Monat. Das generiert mehr als eine Million Lohnkosten. Ich meine eine Million Schweizer Franken. Jedes Jahr. Wer träumt nicht davon, im Lotto eine Million zu gewinnen? Das ist verdammt viel Geld, das der Chef jedes Jahr ausbezahlt. Und er muss noch einiges mehr davon reinholen, damit sein Unternehmen überhaupt rentiert.

Wenn jeder Mitarbeitende jeden Arbeitstag eine Farbkopie für sein Kind nach Hause bringt, kostet das, wenn eine Farbkopie mit einem Franken zu Buche schlägt, pro Jahr 3600 Franken. Soviel kostet ein schönes Weihnachtsessen. Als Buchhalterin wissen Sie das noch besser als ich.

Wenn also alle im Geschäft einfach unbedarft und ungefragt kopieren, Stifte nach Hause transferieren und telefonieren auf Geschäftskosten, ist nicht der Betrieb in Gefahr. Wohl aber das Weihnachtsessen, der Firmenausflug und vor allem der Goodwill der Geschäftsleitung. Es geht um Vertrauen. Sie leisten etwas für den Betrieb. Und er etwas für Sie. Deal or no Deal?

Mit freundlichen Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Mike Gabelmann (CC BY-NC 3.0)