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Mehr oder weniger Lohn?

Money can't buy happiness by Paulo Cesar LOPES PEREIRA

Lieber Chef vom Ganzen. Ich habe ein Problem, das laut meinen Freundinnen keines ist, aber mich belastet es. Ich verdiene mehr als mein gleichaltriger Kollege, der exakt dieselbe Ausbildung und dasselbe Jobprofil hat wie ich und erst noch etwas länger im Betrieb arbeitet als ich. Es gibt keine vernünftige Begründung für diesen Lohnunterschied. Nun frage ich mich, ob mein Chef etwas will von mir, denn anders ist diese bevorzugte Behandlung doch gar nicht zu erklären? Tatjana, 25, Junior Consultant PR.

Liebe Tatjana

Schalten Sie den Fernseher ein. Da kriegen Sie es vorgeführt. Der Eine isst Würmer und Stierhoden für ein bisschen Ruhm auf RTL. Der Andere lässt für eine Million Dollar einen fremden Mann mit seiner Ehefrau schlafen. Es mag unmoralisch klingen, aber die nackte Wahrheit ist: jeder Mensch hat seinen Preis. Und dieser hat nur bedingt zu tun mit Ausbildung, Fachausweisen und Diplomen. Sondern mit Stolz, Würde und Erfahrung.

Das ist im Arbeitsleben nicht anders. Das Spiel heisst: Angebot und Nachfrage. Obwohl Ihr Chef von allen PR-Beratern dieselbe Leistung verlangt, ist er doch bereit für den einen oder anderen mehr zu zahlen. Menschen sind emotionale Wesen und entscheiden nicht rational. Nicht mal dann, wenn es um Maschinen geht. Oder weshalb kaufen die einen ein iPhone und die anderen ein Galaxy? Obwohl beide Geräte (fast) dieselben Funktionen bieten?

Wenn Sie trotz gleichem Jobprofil, gleicher Ausbildung und weniger Erfahrung mehr verdienen, bieten Sie Ihrem Chef offenbar einen Mehrwert. Das kann Ihr gewinnendes Auftreten sein, Ihre Durchsetzungskraft, Ihre Loyalität, Ihr Arbeitswille, Ihre positive Energie, Ihre unvergleichliche Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen, Ihr Talent, Kunden zu beschwichtigen, Ihr Humor, Ihr Drive, Ihr Witz, Ihr Parfüm oder einfach nur Ihre langen blonden Haare. Das kann 1001 Gründe haben.

Finden Sie heraus, was es ist. Fragen Sie Ihren Chef, Ihren Partner, Ihre Freunde. Gucken Sie in den Spiegel. Wenn Sie wissen, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen, besitzen Sie ein mächtiges Arsenal, das Sie zu Ihren und den Gunsten anderer einsetzen können. Beim nächsten Vorstellungsgespräch zum Beispiel oder bei der nächsten Lohnverhandlung.

Dass Sie den Wunsch hegen, gleich behandelt zu werden wie alle anderen, ich nehme an um der Harmonie willen, das kann ich verstehen. Ein ehrbarer Gedanke. Aber vergessen Sie nicht: Man kann nicht alle Menschen gleich behandeln. Weil sie nicht alle gleich sind. Das funktioniert nicht mal in der Armee. Worauf es ankommt, ist Fairness und Respekt. Das hält die Herde zusammen. So, und jetzt ist gut, ich klinge schon so, als könnte ich der nächste Papst werden.

In nomine Domini
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Paulo Cesar Lopes Pereira (CC BY-NC 3.0)

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