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Nichts zu tun

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Lieber Chef vom Ganzen. Ich habe nichts zu tun. Ich meine damit: Ich sitze da, bekomme Gehalt, habe aber keine Arbeit. Wenigstens so gut wie keine. Und irgendwie merkt das niemand. Und ich merke, dass ich mich langsam daran gewöhnen könnte. Soll ich? Lars, 44, Elektrozeichner

Lieber Lars

Vielleicht sollten Sie tatsächlich. Zumindest noch für eine kurze Zeit. Als Training für später. Denn in etwas mehr als zwanzig Jahren werden Sie sich in der exakt gleichen Situation wiederfinden. Nur haben Sie dann keine Wahl mehr. Sie werden dasitzen, ohne Arbeit oder zumindest so gut wie keiner. Niemand wird es merken. Und Sie werden trotzdem ein Gehalt kriegen. Vom Staat. Weil Sie pensioniert sind.

Viele frisch gebackene Pensionäre kämpfen, ja hadern mit dem Wegfall einer der grössten Konstanten im Leben. Und ich meine damit nicht die Frau, die ihnen jeden Abend ein Feierabendbier auf den Tisch stellt. Mit dem Nichts umgehen zu können, dürfen Sie als grosse Stärke werten. Falls Sie dabei gar in einen Zustand höchsten Glücks geraten, sollten Sie sich dem Studium fernöstlicher Philosophen widmen. Die werden Ihnen den Weg ins Nirwana weisen.

Bis dahin empfehle ich Ihnen, sich schleunigst bei Ihrem Vorgesetzten zu melden. Damit er Sie aus dem meditativen Dämmerzustand rausholt und Ihnen neue Aufgaben und Probleme aufhalst. Bestehen Sie auf Herausforderungen, die Sie beruflich fordern und persönlich weiterbringen. Und auf die Sie in zwei Jahrzehnten stolz zurückblicken. Wäre doch jammerschade, wenn Sie Ihren Enkeln nur die unendliche Geschichte vom Nichts erzählen könnten.

Mit Zen und Ommmmm
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Emanuele Meschini (CC BY-NC-ND 3.0)

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