Die lahme Ente

Homeward Bound by Nicholas Baer

Lieber Chef vom Ganzen. Knapp vor der magischen 50er-Grenze kann ich mich beruflich noch einmal verbessern und habe einen neuen Job ergattert. Diesen werde ich allerdings erst in einem Jahr antreten, weil meine künftige Firma gerade in Umstrukturierungen steckt. Ich habe eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Aus Fairness gegenüber meinem heutigen Arbeitgeber würde ich gerne schon heute klar Schiff machen. Meine Kollegen raten ab. Sie sagen, ich sei danach im Betrieb eine Lame Duck. Was meinen die damit und was droht mir da? Tobias W., 49. Bereichsleiter Logistik

Lieber Tobias

Ihnen droht das gleiche Schicksal wie George W. Bush 2008 und Bill Clinton 2000. Als Lame Duck («lahme Ente») wird im US-Wahlsystem bezeichnet, wer in absehbarer Zeit aus seinem Amt scheidet. Weil er seine Wiederwahl verloren hat, nicht mehr wiedergewählt werden darf oder auf eine Wiederwahl verzichtet. Eine Lame Duck gilt als eingeschränkt handlungsfähig.

Anders gesagt: Niemand legt die Hand ins Feuer für jemanden, der das Feuer bald selber löscht. Ausser für Ottmar Hitzfeld. Und auch das nur, weil ihm die WM in Brasilien zu Füssen liegt. Ihre Kollegen haben Recht. Wird Ihr neuer Job publik, stehen Sie im Abseits. Und erhalten kaum mehr einen brauchbaren Pass. Werden vielleicht sogar ausgewechselt und schmoren die letzten Monate auf der Ersatzbank. Oder werden gekündigt.

Ihre wahrscheinlich beste Option: Sie könnten kurz vor der magischen 50er-Grenze endlich nackt durch Thailand trampen, den Highway-Number-One auf einer Fat Boy runterbrettern, mit der Familie eine halbes Jahr in den Yukon auswandern. Oder sich einen anderen lang gehegten Bubentraum erfüllen.

Sie halten mit Infos zu Ihrem neuen Job so lange wie möglich zurück. Oder kündigen sofort. Und lassen ihren Träumen Flügeln wachsen. Es ist Ihr Leben. Quack!

Mit geflügelten Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Nicholas Baer (CC BY-NC-SA 3.0)

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Von freundlichen und herzlichen Grüssen

Lieber Chef vom Ganzen. Immer wieder stelle ich fest, dass in geschäftlichen, internen (manchmal auch externen) E-Mails am Ende die Grussformeln „Herzlich“, „Herzlichst“ oder „herzliche Grüsse“ verwendet werden. Meiner Meinung nach sind diese in dem Zusammenhang wenig passend. Wie stehen Sie als sprachlich versierte Person zu dieser Frage? Caroline, Ingenieurin, 34

Liebe Caroline

Egal wie strikt Sie Geschäftliches und Privates trennen, wem Sie mit Herzlichkeit begegnen und wem Sie Ihr Herz schenken wollen, das bleibt Ihre persönliche Entscheidung. Heute bahnt sich jede zweite Liebesbeziehung am Arbeitsplatz an, heisst es. In Firmen mit offenem Internet liegt der Wert vermutlich noch höher, wenn man die Zugriffe auf Partnerplattformen mit einrechnet.

So herzlos und unpersönlich geht es in den allerwenigsten Arbeitsorten zu und her. Da werden Hunde gestreichelt, Fotos geteilt, Bildschirme dekoriert, Feierabende gefeiert und manche Abteilungen gehen sogar gemeinsam baden. Die Firma als Familie. Der Wunschtraum jedes Patron. Einer für alle, alle für ihn.

Dass bei so viel Harmonie intern nicht nur in der Kaffeepause, sondern auch in E-Mails herzlich gegrüsst wird, finde ich unproblematisch. Andernorts empfehle ich als unverfängliche Vorstufe zur Herzlichkeit die Freundlichkeit. Insbesonders im Umgang mit Kunden und Geschäftspartnern.

Konkret: Mit «Lieber Herr Muster» schreiben Sie nur Kontakte an, die Sie persönlich getroffen haben. Bei denen dürfen Sie sich bei gutem Geschäftsverlauf auch herzlich verabschieden. In den klassisch-konservativen Branchen (Finanzen, Industrie, Recht) und bei Ü50-Kontakten «Sehr geehrter Herr Muster» und «Mit freundlichen Grüssen» verwenden. Die ältere Generation schätzt formale Korrektheit. Haben die damals so eingetrichtert bekommen. Tipp für altersgerechte Power-Point-Präsentationen: Wählen Sie die Schriftgrösse immer mindestens halb so gross wie das Durchschnittsalter der Anwesenden.

Meine persönliche Geheimwaffe, das Reduit der Begrüssungsformeln sozusagen, lautet ganz neutral: «Grüezi Herr Muster». Als Romand, Tessiner, Franzose oder Italiener darf es auch ein «Bonjour Herr Muster» oder ein «Buongiorno Herr Muster» sein. Etwas heikler, aber nicht minder spannend, wird es jenseits der Schweizer Landessprachen: «Hello Mister Muster» oder «Konnichiwa Herr Muster». Im Zweifelsfall jedoch lieber in den sicheren, sehr geehrten Herr Hafen einschiffen.

Mit freundlichen Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

Foto: 500px (CC BY 3.0)

Die undemokratische Wollmütze

Photograph Gnome by Alvaro A. Novo on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Gerade fällt der erste Schnee vor dem Fenster, jetzt ist definitiv Winter. Das bedeutet auch, dass mein Chef wieder seine Wollmütze aus den Tiefen des Kleiderschranks hervorgekramt hat. Und diese Mütze ist wirklich kein schöner Anblick (es steht sogar „nasty“ darauf, das sagt doch schon alles). Seit Jahren versuche ich, ihm das Teil auszureden. So diplomatisch, wie ich nur kann. Nichts hilft, was soll ich tun? Ich mein‘ es doch nur gut. Andrea (30), Projektleiterin

Liebe Andrea

Es liegt in der Natur der meisten Chefs den eigenen Kopf durchzusetzen. Auch mit Mütze drauf. Von Diplomatie oder Demokratie halten derart gestrickte Köpfe wenig. Sie geben sich für andere Meinungen zwar meist empfänglich und sind es vielleicht sogar. Doch am Ende halten sie an ihrer eigenen Wahrheit fest. Sehr fest. Und sehr lange.

Doch genau das ist das Holz aus dem kongeniale Chefs geschnitzt sind. Und sture Holzköpfe. Denn trifft der Chef mit seiner unbeirrbaren Vorliebe den Geschmack der Kunden, Geschäftspartner oder Mitarbeiter, lobt man ihn für seine Geradlinigkeit, seine Durchsetzungskraft, seinen Mut den eigenen Weg gegen alle Widerstände zu gehen. Haut er daneben, kritisiert man ihn für seine Sturheit, Uneinsichtigkeit, Kritikunfähigkeit.

Der Grat ist schmal. Und der Tanz darauf kein leichter. Und weil es sich zu zweit viel besser schöner leichter tanzt, lassen sich manche Chefs nur allzu gerne führen von der Meinung ihrer Frau. Oder Freundin. Oder Partnerin. Oder Mutter. Oder Mitarbeiterin. So einfach sind die meisten Männer (und Chefs) gestrickt. Sie einfach wie eine Wollmütze.

Es scheint Ihnen etwas zu liegen an dieser Mütze. Und auch an diesem Chef. Wenn Sie diesen Kopf neu eindecken wollen, kommen Sie nicht umher ihm eine neue Mütze zu schenken. Oder sogar zu stricken. Oder wäre das dann doch zu nasty für Sie?

Mit kühlem Kopf
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-SA 3.0)

Von der Bäuerin zur Texterin

Sehr geehrter Chef vom Ganzen. Als ich im Internet, wie schon unzählige Male zuvor recherchierte wie ich in Zukunft meinen Lebensunterhalt für mich und meine Tochter verdienen soll, „landete“ ich auf Ihrer Seite. Ja, Sie sehen beziehungsweise lesen, ein schlimmes Deutsch! Genau deswegen schreibe ich Ihnen. Ist es möglich einer 49 jährigen (ich bin wirklich nicht jünger, auch wenn ich so aussehe!) untalentierten, ehemaligen Bäuerin mit höherer Fachprüfung inkl. Betriebsleiterin mit eidg. Diplom, jahrelange Instruktorin und Kursleiterin, das Schreiben beizubringen? Ich interessiere mich für den Texter-Lehrgang in Bern, doch ich habe da so meine Bedenken, weil ich nicht cool schreiben kann. Es würde mir grossen Spass machen lernen zu schreiben, denn ich habe viele Ideen und konnte schon einige Visionen erfolgreich umsetzen. Z.B. säte ich Kräuter und Blumen in meinem Garten, verarbeitete sie dann zu Salben und Ölen und verkaufte sie an dem selbst organisierten Weihnachtsmarkt.. Es gab noch einige andere Projekte die ich erfolgreich realisierte. Doch dann kam die Trennung und die Scheidung nach 21 Jahren und damit auch mein Problem, was arbeitest Du jetzt. Der Arbeitsmarkt sucht keine „alte Frau“ die in der Landwirtschaft ausgebildet ist und einen unglaublichen Mutterinstinkt besitzt. Nein der Arbeitsmarkt sucht junge, dynamische und kreative Menschen. Eigentlich finde ich mich noch jugendlich (ausser am Morgen um 6.00 wenn ich in den Spiegel sehe!) So nun endlich komme ich zu meiner konkreten Frage: Empfehlen Sie mir den Texter-Lehrgang? Ist es realistisch (bitte seien Sie ehrlich!) das ich mich nochmals umschulen lasse und in Zukunft meinen Lebensunterhalt als Texterin verdiene, obwohl ich nicht wirklich gut schreibe? Herzliche Grüsse, Béatrice C. (49), Bäuerin HFP, Instruktorin, Kursleiterin

Liebe Béatrice

Mit dem Schreiben ist es wie mit der Landwirtschaft. Manch Gutes wächst auf einem Haufen Mist. Zwei Faktoren bedingen Gedeih oder Verderb. Zum einen die Erfahrung. Nur wer weiss, wie man sät, giesst, düngt und stutzt, wird am Ende etwas ernten. Zum anderen die Menge. Mehr ist mehr. Je mehr Sie schreiben, desto besser werden Sie. Ernest Hemingway schrieb die letzten Sätze seines Romans «In einem anderen Land» 47 Mal um.

Sie haben einen grünen Daumen. Ob der auch auf eine Tastatur passt, liegt ganz bei Ihnen. Der Texter-Lehrgang macht aus Ihnen keine Texterin. Texterin sind Sie dann, wenn Sie eine sein wollen. Ob Sie Talent haben, finden Sie heraus, wenn Sie mit Freunden ins Kino gehen. Die Meisten können kaum die Handlung richtig zusammenfassen. Und dann gibt es jene, die nach jedem noch so langweiligen Film etwas Spannendes, Intelligentes, Berührendes, Witziges oder Unterhaltsames erzählen.

Lernen kann man das nicht. Das Schwierigste am Schreiben ist, zu wissen, was man schreiben will. Dafür braucht es spannende Gedanken, überraschende Ideen. Manchmal fliegen sie einem zu. Meistens denkt man lange nach. Verdammt lange. Dynamisch und jugendlich zu sein, hilft dabei nicht. Im Gegenteil. Ein Autor ist die Summe seiner Erfahrungen, heisst es doch so schön. Und seiner Vorstellungskraft.

Diese Gedanken und Ideen in Worte fassen dagegen ist pure Übungssache. Ähnlich dem Klavierspielen. Kann jeder lernen. Zum Beispiel im Texter-Lehrgang. Ob ein Text gut klingt – Geschmackssache. Das Publikum entscheidet.

Ich fand Ihre Frage interessant. Die Formulierungen grauenhaft. Wenn Sie wirklich schreiben wollen, dann schreiben Sie. Mit Ihrem bäuerlichen Background stehen die Sterne gut. Martin Suter, ehemaliger Werbetexter und Bestseller-Autor, nennt sich heute Gentleman-Farmer. Texter, Musiker, Künstler und Tausendsassa Dieter Meier betreibt in Argentinien eine Rinderfarm. Und baut eigenen Wein an.

Vom Texter zum Bauer. Das hatten wir schon. Ich bin gespannt, ob Sie den umgekehrten Weg schaffen.

Mit bestem Dünger
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-NC-ND 3.0)

Macht Chef sein glücklich?

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Lieber Chef vom Ganzen. Mein Problem: ich bin schon Chef über einen kleinen Betrieb. Nun ist es aber so, dass mich diese Arbeit nicht befriedigt. Das ständige auf und ab der Auftragslage gepaart mit dem ruinöse Preiskampf führen unweigerlich dazu. Ich möchte selbständig bleiben aber meine Energie besser einsetzen. Was rät ein Chef einem anderen Chef in dieser Situation. Erich (40), Haustechniker

Lieber Erich

Chef sein macht per se nicht glücklich. Die Ungewissheit nagt am Selbstvertrauen des Unternehmers. Macht ihm Angst. Macht ihn fertig. Raubt ihm Zuversicht, Schlaf und Energie. Auch der beste Businessplan ist am Ende nur ein Plan. Kommt der Auftrag oder kommt er nicht? Niemand weiss, was morgen ist. Weder die Angestellten, noch der Chef, noch der Chef vom Chef, also der Kunde. Alle tappen im Dunkeln.

Das ist nicht nur in einem Haustechnik-KMU so, sondern auch bei börsenkotierten Unternehmen. Dort sind es Analysten, die aus immer komplexeren Modellrechnungen immer verzweifelter versuchen, Erfolgsquoten abzuleiten. Und die Investoren, die in hemmungsloser Gier und nach purem Gutdünken darauf wetten.

Casino-Kapitalismus, sagte dazu einst Jean Ziegler. Ein Spiel also. Vielleicht hilft es Ihnen als Chef, das Unternehmertum als Spiel zu sehen. Ein Spiel mit immer wieder erstaunlich hohem Glücksfaktor. Das wird Ihnen jeder Geschäftsmann demütig bestätigen.

Bei diesem Spiel mitzuspielen, ist spannend. Vor allem, weil in der Marktwirtschaft, im Gegensatz zum Casino, nicht immer die Bank gewinnt. Die Ungewissheit der Auftragslage und den Preiskampf zu einem gewissen Grad einfach als Teil des Spiels, als Zufalls- oder Glücksfaktor zu akzeptieren, nimmt viel Last von Ihren Schultern. Spielen Sie mit. Riskieren Sie. Überraschen Sie. Erhöhen Sie den Einsatz. Pokern Sie. Setzen Sie Ihre Gegner schachmatt. Unternehmer sein heisst Verkäufer sein. Verkaufen ist ein Spiel. Und es macht Spass.

Das mag naiv klingen, ist aber ungemein wohltuend. Und gibt Energie für die Dinge, die Freude am eigenen Geschäft machen: überraschende Lösungen für Probleme finden, daraus Produkte und Dienstleistungen entwickeln und Menschen für diese Ideen begeistern.

Alles auf Rot
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-NC 3.0)

Miaua!

Photograph Sssssshhhhh... by Claudia Gaiotto on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Unsere Personalchefin hängt an ihre E-Mails an die Belegschaft immer Fotos oder sogar kurze Videos von herzigen kleinen Kätzchen an. Und das Hintergrundbild der Mails besteht aus rosa Katzenpfoten. Mein Problem ist, dass ich herzige kleine Kätzchen hasse. Jedenfalls in Form von kitschigen, gestellten Fotos und Filmen. Ich habe mir schon überlegt, ob ich an mein Antwortmail ein Bild von Katzen an einem chinesischen Tiermarkt hänge. Da gibt es recht explizite Sachen im Netz. Das wäre doch ein klares Signal, oder? Remo, 28, Business Analyst

Lieber Remo

Es gibt kein Recht auf Haustierhaltung am Arbeitsplatz. Die Halter von Hunden, Katzen, Kanarienvögeln, Wüstenspringmäusen, Vogelspinnen, Meer- und und anderen Schweinchen sind dem Goodwill des Arbeitgebers ausgeliefert. Das gilt auch für Tiere in Mail-Anhängen, Bildschirmschonern und Hintergrundbildern.

Die meisten Unternehmen wünschen sich nichts sehnlicher als Mitarbeiter, die sich voll und ganz in die Firma einbringen. Mit ihrer ganzen Zeit und Persönlichkeit. Und da sich am ehesten voll einbringt, wer voll und ganz sich sein kann, tun Unternehmer gut daran eine Auge zuzudrücken. Zum Beispiel wenn Mitarbeiter nach dem dritten Feierabendbier ins Geschäft zurückkehren und die Krawatte des Vorgesetzten schreddern. Hauptsache, der Output stimmt.

Wer in der Kreativbranche gearbeitet hat, weiss: herzige kleine Kätzchen sind nur die Spitze des Eisbergs. Choupette Lagerfeld, die Katze von Karl Lagerfeld, hat sogar einen eigenen Twitter-Account. Üben Sie Toleranz. Bestimmt haben auch Sie eine Marotte mit denen Sie die Mitmenschen bewusst oder unbewusst zur Weissglut treiben.

Vom Versand einschlägiger Bilder aus chinesischen Tiermärkten rate ich Ihnen ab. Wir reden hier von Ihrer Personalchefin. Es sei denn Sie möchten statt ein Kätzchen eine Kündigung im Attachment öffnen.

Mit tierischen Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-ND 3.0)

Die Stinkwurzel

Lieber Chef vom Ganzen. Ich bin Mandatsleiterin und habe fast ausschliesslich angenehme Kunden. Mit einer Ausnahme. Der eine Kunde schikaniert mich, kritisiert meine Arbeit andauernd, ruft um elf Uhr abends wegen irgendwelcher Details an und liefert seine Unterlagen ganz bestimmt absichtlich in einem lausigen Zustand ab. Ich bin Profi und behalte diese Probleme intern für mich. Nun habe ich einen überehrgeizigen jungen Kollegen, der sich für den Grössten hält und am liebsten alle Mandate für sich hätte. Ist es unmoralisch, ihm meine „Stinkwurzel“ ohne Vorwarnung und unter einem Vorwand abzutreten? Susanne W., 32, Treuhänderin

Liebe Susanne

Es kommt ganz darauf an, wie fest die Wurzel wirklich stinkt. Respektive wem sie stinkt. Sie sehen Anrufe um elf Uhr abends als Schikane, empfinden Kritik an Ihrer Arbeit als Problem. Eines, das Sie intern für sich behalten. Da sind Sie ja ganz Profi.

Vermeintlich. Denn ein Profi sieht im Problem nicht das Problem. Sondern die Aufgabe. Die Herausforderung. Die Hürde. Die nächste Stufe nach oben. Und ein Profi behält Probleme nicht für sich. Er schafft sie aus der Welt. Erfolgreiche Arbeitnehmer tragen die heisse Kartoffel nicht einfach ins Chefbüro weiter, sie schlagen Lösungen vor: Pommes oder Rösti.

Mit der Weiterleitung der Stinkwurzel an den jungen Heissporn tun Sie nichts Unmoralisches. Sie geben ihm eine Aufgabe. Eine schwierige zwar, aber falls er sie löst, und er wird alles dafür tun, weil er sich für den Grössten hält, befeuern Sie damit seine Karriere. Auf Ihre Kosten.

Es gibt nur einen Weg, den Kampf um Mandate zu gewinnen. Packen Sie das Problem bei der Stinkwurzel. Nehmen Sie um 23 Uhr den Anruf entgegen. Und lösen Sie das Problem.

Mit unmoralischen Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen