Kategorie: Liebe

Sexuelle Belästigung

Sexy Man by Eduardo Carrasco

Lieber Chef vom Ganzen. Ich bin seit gut einem Jahr selbständig. Da ich mich im IT-Umfeld bewege, habe ich es mehrheitlich mit Männern zu tun. Ist grundsätzlich auch kein Problem für mich, wenn da nicht immer wieder folgendes passieren würde: Ich werde angefragt für einen Lunch, welcher sich als Business-Lunch tarnt und der liebe gute Mann hat dann aber irgendwelche andere Absichten… Sie verstehen schon… oder ich bin an einer Veranstaltung, um Networking zu betreiben und diskutiere mit Männern und tausche Visitenkarten aus und nachher werde ich bombardiert mit SMS: wie wäre es mit einem kleinen Abenteuer, einem Nachtessen etc. Ich bekomme sogar Fotos. Hilfe! Nun meine Frage: Wie kann ich auf nette Art und Weise eine „Absage“ erteilen? Vor allem denjenigen (Kunden/Lieferanten), welche mir geschäftlich immer wieder über den Weg laufen? PS: Mein Ausschnitt reicht nicht bis zum Bauchnabel und ich trage auch keinen Minirock… ;-) Christine (33), Informatikerin

Liebe Christine

Jeder erfolgreiche Verkäufer weiss, er verkauft in erster Linie nicht seine Produkte oder Dienstleistungen, er verkauft sich selbst. Jedes Verkaufsgespräch ist ein Flirt, hat mir eine Verkaufstrainerin einmal verraten. Und viele Männer gehen in diesem Spiel ganz in ihrer Rolle als Eroberer auf. Ich war selbst schon an einigen Messen und weiss aus sicherer Quelle, dass Sie nicht die Einzige sind, die mit balzenden Gockeln und amourösen Wadenbeissern zu kämpfen hat.

Die grosse Herausforderung besteht darin, die Casanovas auf Distanz zu halten, ohne dass sie das geschäftliche Interesse an Ihnen verlieren. Anders herum funktioniert das natürlich auch. Nicht wenige Frauen verdrehen den Männern aus Kalkül den Kopf. So oder so. Privates und Geschäftliches trennen, funktioniert bei Selbständigen nicht. Sie sind das Geschäft.

Und jetzt ganz konkret: Zuerst sollten Sie Ihre Handynummer präventiv von Visitenkarte und E-Mail-Signatur streichen und Ihr Geschäftstelefon auf Ihr Handy umleiten, wenn Sie unterwegs sind. Geht mit VOIP automatisch. Mache ich auch so. Eindeutig zweideutige Anfragen konsequent ignorieren. Auf allen Kanälen. Mit einer Absage, egal wie nett getextet, können Sie nur verlieren. Falls Sie geschäftlich auf den Kontakt angewiesen sind: einfach weiter machen wie wenn nichts gewesen wäre. Und bei Geschäftsbeziehungen so lange wie möglich per Sie bleiben.

Sie müssen das Ganze sportlich sehen. Männer sind Jäger. Sie werfen gerne Speere. Und die meisten können auch gut damit umgehen, wenn mal einer nicht trifft. Verlieren Sie Ihr Lächeln nicht. Flirten gehört zum Geschäft. Aber was erzähle ich Ihnen da, ich habe an einer Messe meine Frau kennengelernt.

Mit einem Augenzwinkern
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY 3.0)

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Flower-Power

Photograph Pink flower tree by Honey Amarento-Borja on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Ich habe meiner Frau in der Mittagspause Blumen gekauft. Dazu gabs ein Kärtchen mit klaren Worten der Liebe, aber leider ohne konkrete Anrede. Zurück im Büro habe ich, um einen dringenden Anruf entgegenzunehmen, den Strauss kurz mal hingelegt – und zwar auf den Tisch einer Kollegin. Diese hat die Blumen leider schneller behändigt als ich und ist nun offensichtlich überzeugt, sie hätten ihr gegolten. Ergebnis: Sie schmachtet mich seither offen an. Den Moment der Wahrheit habe ich bereits verpasst. Was nun? Armin, 49, Head of Business Analysis

Lieber Armin

The power of flowers. So heisst der Slogan von Fleurop. Und er stimmt offensichtlich. Erinnert mich an einen meiner Lieblings-TV-Spots. Der lief vor ein paar Jahren. Ohne Aufschrei und ohne Sexismus-Debatte. Wohnzimmer. Feierabend. Wir sehen von hinten einen Mann bequem in seinem Sessel sitzen, die Hand auf der Lehne. Es läuft Fussball. Der Mann öffnet seine Hand. Die Frau läuft ins Zimmer und stellt ihm ein Bier hin. Abblender. Logo Fleurop. Und Slogan: The power of flowers.

So weit so schön. Aber nun hat ja Ihre Arbeitskollegin die Blumen erhalten und nicht Ihre Frau. Falls Sie verhindern möchten, dass Ihnen Ihre Arbeitskollegin in den Sitzungen wortlos Kaffee in die Hand stellt, sollten Sie die Situation klären.

Sie stehen in einer ungünstigen Lage. Sie haben Zuneigung vermittelt. Egal wie ihre Erklärung dafür ausfällt, dass es eigentlich nicht so ist, die Mitarbeiterin wird ein Gefühl der Zurückweisung erleben. Unerwiderte Liebe. Darauf reagieren Frauen (wie Männer) äusserst empfindlich.

Vielleicht kaufen Sie nochmals zwei Blumensträusse. Einen für Ihre Frau. Und einen für die Arbeitskollegin. Offenbaren Sie der Mitarbeiterin die Wahrheit. Dass der erste Strauss eigentlich für Ihre Frau gemeint war. Dass Sie sich geschmeichelt fühlen, ehrlich, diese Gefühle aber leider nicht erwidern können. Sie sind ja verheiratet.

Danach wird sie Sie nicht mehr offen anschmachten. Im Gegenteil. Mit Enttäuschung müssen Sie rechnen. Aber indem Sie die Gefühle der Mitarbeiterin ernst nehmen und sich mit einem Blumenstrauss dafür bedanken, ziehen Sie sich als Gentleman aus der Affäre. Es sei denn Sie suchen eine solche. Dann sollten Sie, aber das ist eine andere Frage.

Mit roten Rosen
Ihr Chef vom Ganzen

500px (CC BY-ND 3.0)

Das französische E-Mail

Centre Pompidou

Lieber Chef. Ich hoffe Sie verstehen, dass ich Ihnen diese Frage anonym stelle. Ich liege seit vier Tagen mit einer „Grippe“ im Bett, weil ich mich nicht mehr in die Firma traue. Mein Arbeitskollege und ich lästern ab und zu über die Sekretärin unseres Chefs. Wer mit einem Ausschnitt bis zum Bauchnabel zur Arbeit kommt, muss halt damit rechnen, finde ich. Unglücklicherweise habe ich die letzte Läster-Mail (vor fünf Tagen, kurz vor Feierabend) nicht an meinen Kollegen Alessandro geschickt, sondern an „Alle“. Jetzt wissen 87 Mitarbeitende, dass ich der Sekretärin – sollte ich Abteilungsleiter werden – als erstes Französisch beibringen würde. Wie bringe ich das wieder in Ordnung? Soll ich eine neue E-Mail an alle verfassen? Einen grossen Blumenstrauss kaufen? Männlich (48), Versicherungsfachmann

Mein lieber Gott

Dass Sie der Sekretärin Französisch beibringen möchten, ist an und für sich kein unehrenhaftes Vorhaben. Allerdings möchte ich mir nicht ausmalen, wie streng Sie die Lektionen zu gestalten gedachten. Und ob Sie als Abteilungsleiter in günstiger Position dafür wären, wage ich zu bezweifeln.

Das Einzige, was Sie jetzt tun können, ist Ihren Mann zu stehen. Nach dem französischen Grippe-Abgang heisst es nun einmal leer schlucken, frisch rasieren, den besten Anzug anziehen, ein Spritzer Old Spice und zurück auf Start. Die 87 Mitarbeitenden hatten bereits viel zu viel Zeit ihrerseits ein paar ungünstige E-Mails zu versenden.

Nach fünf Tagen dürfen Sie davon ausgehen, dass sich die Empörung gelegt, eine mitfühlende Allianz um den Bauchnabel der Sekretärin gebildet hat und die wilden Spekulationen sich nun ganz auf Sie und Ihre Reaktion konzentrieren.

Mit einem Blumenstrauss, vergessen Sie das, ist es nicht getan. Sie kaufen also einen aktuellen Dictionnaire, packen eine schöne rote Schleife drumrum und stecken eine kleine Karte mit einer herzlichen Entschuldigung dazu. Engagieren Sie, falls Ihnen immer noch der Atem stockt, einen guten Texter dafür. Das Paket legen Sie persönlich an den Arbeitsplatz der Sekretärin.

Danach versichern Sie Ihren Vorgesetzten per E-Mail, dass derart Unverzeihliches nie mehr vorkommt. Ausserdem bewegen Sie alle E-Mails von und an Alessandro auf Ihr neues privates E-Mail-Konto, das Sie schon vor Jahren hätten einrichten sollen.

Cordiales salutations
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-NC 3.0)