Kategorie: Business

Ciao Bello

Photograph Pili Duncan by Rober Lou on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Ich durfte bis jetzt immer mit dem Hund ins Geschäft. Jetzt darf ich ihn aber nicht mehr mitnehmen, weil er das Baby der Chefin gebissen hat. Kann ich auf Gewohnheitsrecht appellieren? Yvonne (38), Versicherungsangestellte mit Bello (3), Golden Retriever

Liebe Yvonne

Tiere gibt es in jedem Geschäft. Man unterscheidet generell zwischen Nutztieren und Arbeitstieren. Aus den einen werden Steaks, Lasagne, Hamburger, Fischstäbchen, Käsefondue, Milch, Eier oder Chicken Nuggets. Und aus den anderen Chefs.

Ich bin sicher, Sie stimmen mir zu, dass Bello weder zu den einen noch den anderen Tieren gehört. Sondern zur Gattung der Haustiere. Und diese haben, so sagt es bereits der Name, im Unternehmen nichts verloren. Es gibt kein Recht auf Tierhaltung am Arbeitsplatz. Ein Hundeverbot im Grossraumbüro ist sachlich begründet und damit rechtlich in Ordnung. Sie sind also auf den Goodwill Ihrer Chefin angewiesen.

Und diesen haben Sie und Bello mit dem Babybiss verspielt. Als Eltern eines Baby steht die Angst vor Hunden hoch im Kurs. Auch deshalb, weil die meisten Hündeler die Problematik romantisch verkennen: «Ach nein, der macht nichts, der ist kinderlieb.» Vergessen wir nicht: ein Biss reicht um das Gesicht eines jungen Menschen für immer zu entstellen. Ich hoffe, Sie, Ihre Chefin und das Baby sind mit dem Schrecken davongekommen.

Anstatt auf Gewohnheitsrecht zu appellieren, empfehle ich Ihnen den Versuch, das Vertrauen der Chefin neu zu gewinnen. Das wird allerdings Monate, wenn nicht Jahre dauern. Oder Sie machen es auf die harte Tour und eröffnen ihr unter Tränen den Plan Bello einzuschläfern. Weil Sie während des Tages kein Plätzchen für ihn finden. Frischgebackene Mütter haben ein weiches Herz.

Mit Sitz und Platz
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-NC-ND 3.0)

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Licht aus, Fenster zu

Laying in the window by Maarten Scholtheis

Lieber Chef vom Ganzen. Mir ist die Umwelt wichtig. Damit bin ich bei unserer Personalvermittlungsagentur allerdings der einzige. Wenn die Leute hier was trinken wollen, drehen sie den Wasserhahn im Pausenraum auf und gehen erst mal in Ruhe pinkeln, damit das Wasser danach schön kalt ist. Das Licht brennt sowieso permanent in jedem Raum, inklusive der Abstellkammer mit Putzmitteln und Kopierpapiervorrat. Geheizt wird permanent auf Volltouren bei offenen Fenstern. Ich habe mich mal hingesetzt und ausgerechnet, was wir bei vernünftigem Umgang mit Energie und Wasser sparen könnten und bin auf eine dreistellige Zahl pro Monat gekommen. Diese Bilanz würde ich gerne dem Chef vorlegen, denn Zahlen überzeugen ihn meistens. Ist das eine gute Idee oder droht mir danach Mobbing der anderen? Stefan K. (36), Personalberater

Lieber Stefan

Mit einer dreistelligen Zahl pro Monat locken Sie Ihren Chef leider nicht hinter dem geheizten Ofen hervor. Auch wenn jeder Rappen zählt, im Verhältnis zu den Lohnkosten bereiten die Aufwendungen für das Büro inklusive Strom und Wasser keinem Chef Kopfzerbrechen. Anders gesagt: Strom ist günstig. Viel günstiger als Mensch. Deshalb arbeiten in vielen Unternehmen bereits Roboter. Bei offenem Fenster, ohne Heizung, ohne Licht, ohne Wasser und ohne teure Mitarbeiteranlässe.

Wenn Sie das Thema auf die Menschen statt auf die Energie lenken, haben Sie bei Ihrem Chef vielleicht mehr Erfolg. Wussten Sie, dass die optimale Temperatur für Büroarbeit, also eine leichte Tätigkeit im Sitzen, 20 Grad Celsius beträgt? Bereits bei 28 Grad Celsius sinkt die Leistungsfähigkeit um fast ein Drittel, bei 33 Grad Celsius auf 50 Prozent. Die Heizung neu so einzustellen, dass nie mehr als 20 Grad erreicht werden, dürfte damit leicht zu argumentieren sein.

Das Thema Licht lösen Sie mit Energiesparlampen. Gibt ja gar keine anderen mehr zu kaufen. Und dann besorgen Sie sich ein paar Wasserhahnaufsätze von AquaClic und sparen im Büro so mehr als die Hälfte des Wassers ein.

Das Gute an diesen Massnahmen: Sie brauchen nicht mehr ständig darauf zu achten, ob jemand das Licht brennen, das Wasser laufen oder das Fenster offen lässt. Und können sich wieder voll und ganz auf Ihre Arbeit konzentrieren. Ihr Chef wird sich freuen, wieder den vollen Return auf sein Investment (Ihre Lohnkosten) zu erhalten.

Viel Energie wünscht Ihnen
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Maarten Scholtheis (CC BY-NC-ND 3.0)

Dulden oder Diebstahl?

Cold Hearted

Lieber Chef. Letzthin habe ich einen privaten Brief in unseren Postausgang im Büro gelegt und prompt ein schlechtes Gewissen gehabt. Da gibts ja noch viele ähnliche Beispiele. Ein paar Seiten für den Schulvortrag des Sohnes farbig im Büro ausdrucken, beim Büromaterial einen Leimstift oder Druckerpapier für zuhause mitgehen lassen, private Telefonate mit dem Geschäftsanschluss führen. Laut Gesetz ist das Diebstahl, das ist mir schon klar. Aber irgendwie machen das doch alle, oder? Was tolerieren Sie in Ihrem Betrieb? Wo hört das Dulden auf, wo fängt der Diebstahl an? Herzlichst, Simone (28), Buchhalterin

Liebe Simone

Gesetz ist Gesetz. Und Geschäft ist Geschäft. Aber es gibt nichts, was der Chef lieber mag als Angestellte, die auch ausserhalb der Geschäftszeiten an das Geschäft denken. Und sei es nur, dass im Geschäft halt der bessere Kopierer steht als zu Hause. Ist doch schön, dass das Geschäft etwas zu bieten hat, das auch privat von Nutzen ist.

Also alles kein Problem. So lange es im Rahmen bleibt. Um für diesen Rahmen ein Gefühl zu kriegen, insbesondere wenn die Kopiertätigkeit regelmässigen Charakter annimmt, empfehle ich ein persönliches Gespräch. Äussern Sie ganz direkt, welche Infrastruktur Sie wie häufig gut gebrauchen könnten. Und welch grossen Nutzen Sie, Ihre Kinder und Ihre Verwandten in Australien daraus ziehen. Ihr Chef wird diese Zusatzleistungen grosszügig dulden, wenn Sie im Gegenzug beim nächsten Lohngespräch kulant sind. Denn was in einem Unternehmen wirklich relevante Kosten verursacht, sind weder der Drucker, noch das Telefon, noch der Computer, noch die Mietkosten fürs Büro und auch nicht die Stabilo Bosse. Es sind die Löhne.

Nehmen wir einen Betrieb mit 15 Mitarbeitenden und alle verdienen CHF 6000.- brutto pro Monat. Das generiert mehr als eine Million Lohnkosten. Ich meine eine Million Schweizer Franken. Jedes Jahr. Wer träumt nicht davon, im Lotto eine Million zu gewinnen? Das ist verdammt viel Geld, das der Chef jedes Jahr ausbezahlt. Und er muss noch einiges mehr davon reinholen, damit sein Unternehmen überhaupt rentiert.

Wenn jeder Mitarbeitende jeden Arbeitstag eine Farbkopie für sein Kind nach Hause bringt, kostet das, wenn eine Farbkopie mit einem Franken zu Buche schlägt, pro Jahr 3600 Franken. Soviel kostet ein schönes Weihnachtsessen. Als Buchhalterin wissen Sie das noch besser als ich.

Wenn also alle im Geschäft einfach unbedarft und ungefragt kopieren, Stifte nach Hause transferieren und telefonieren auf Geschäftskosten, ist nicht der Betrieb in Gefahr. Wohl aber das Weihnachtsessen, der Firmenausflug und vor allem der Goodwill der Geschäftsleitung. Es geht um Vertrauen. Sie leisten etwas für den Betrieb. Und er etwas für Sie. Deal or no Deal?

Mit freundlichen Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Mike Gabelmann (CC BY-NC 3.0)

Mir stinkts

1956 Hygiene Ad, Listerine Antiseptic Mouth Wash, with Young Couple at Malt Shop

Sehr geehrter Chef vom Ganzen – ich schreibe Sie an, weil ich so nicht mehr arbeiten kann. Seit 4 Wochen haben wir einen neuen MItarbeiter (Name tut hier nix zur Sache), mit dem ich in meinem Büro zusammensitze. Eigentlich ist er sehr sympathisch, aber er hat ein sehr akutes Hygieneproblem. Damit meine ich, dass dieser Mensch sehr streng riecht. Bei den Temperaturen kann ich ja nun nicht ständig lüften. Und ihm einfach nen Deo oder Seife morgens auf den Tisch zu legen ist auch nicht gerade die feinste Art. Hinzukommt noch die Tatsache, dass er überdies ein sehr schweres After Shave benutzt, was mir zusätzlich Kopfschmerzen bereitet. Wie kann ich das Problem des „Stinkers“ so lösen, ohne ihm auf die Füsse zu treten oder als Mobber hingestellt zu werden? Erbitte um eine schnelle Antwort, Danke im Voraus, Urs Schmied, Human Ressource Leiter eines Grossunternehmens

Sehr geehrter Herr Schmid

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Die einen stehen auf Tabac, Polo, Cool Water, Bleu de Chanel oder Aqua di Giò, die anderen auf Géstanque. Oder Nature. Wussten Sie, dass Steve Jobs gemäss seiner lesenswerten Biografie in einer frühen Hippie-Phase nur einmal die Woche geduscht haben soll, weil er meinte dank seiner Ernährung nicht zu riechen?

Da wo ich aufgewachsen bin, nicht im Silicon Valley, aber am Oberen Zürichsee, gab es eine Frau mit einem ähnlichen Problem wie Ihr Mitarbeiter es hat. Man nannte sie «Biber-Trudi». Als besonders problematisch stellte sich bei Trudi heraus, dass Sie regelmässig Bus fuhr. Und niemand neben ihr sitzen wollte. Auch nicht in der Reihe vor oder nach ihr.

Die Fahrgäste hielten sich die Nase zu. Aber das wars dann auch. Nur kleine Kinder und Betrunkene waren ehrlich, mutig oder unschweizerisch genug das Malheur in Worte zu fassen. Und genau das möchte ich Ihnen raten. Sie könnten einen Mitarbeiter-Apéro mit Wodka und Champagner organisieren und darauf hoffen, dass sich jemand ein Herz fasst.

Oder Sie bringen mal wieder ihre Kinder mit ins Büro. Oder organisieren einen Eltern-Kind-Tag in der Firma, damit die Kleinen sehen, wo ihr Papa oder ihre Mama arbeitet. Oder laden eine Schulklasse für eine Bürobesichtigung ein.

Mit duften Grüssen
Ihr Chef vom Ganzen

Photo by Classic Film (CC BY-NC 2.0)

Alpenbitter mit Krawatte

Photograph Bar by Chip Tune on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Mein Kumpel und ich sind kürzlich nach dem ausgedehnten Feierabendbier dummerweise auf die Idee gekommen, noch einmal in der Bude vorbeizuschauen, weil dort immer eine Flasche Alpenbitter im Pausenraum steht. Sonst war niemand mehr da, und wir sind auf die zweite dumme Idee gekommen, die Krawatte des Chefs, die in seinem Büro hing, zu shreddern und mit den entstandenen Konfetti seinen Regenschirm zu füllen. Nun hat es sich bei der Krawatte aber offenbar um ein handgemaltes Unikat seiner verstorbenen Ehefrau gehandelt. Wie kann ich meine Gewissensbisse ohne teure Therapien bekämpfen? Anton, 32, Angestellter

Lieber Anton

Schmal ist der Grat zwischen Einfall oder Abfall. Sehr schmal sogar. Das durfte ich in den Kreativabteilungen diverser Werbeagenturen immer wieder erleben. Ideen finden geht meist wie von selbst. Besonders in dem bitteren Zustand, in dem Sie und Ihre Kumpel sich befanden. Die Kunst besteht darin Gutes von Bösem zu unterscheiden.

Dafür braucht es einen Creative Director. Oder einen Nachtwächter. Einen wie Christoph Meili, der Heikles vor dem Shredder rettet. Bei so aussergewöhnlich kreativen und engagierten Mitarbeitern wie Ihnen, die freiwillig Überstunden im Büro leisten und Privates von Geschäftlichem nicht trennen, hätten beide Stellen ihre Daseinsberechtigung.

Von einer teuren Therapie würde ich in diesem Fall absehen. Nicht aber von einer ehrlich gemeinten Entschuldigung. Ob Sie und ihr Kumpel lieber Krawatten anmalen oder einen schönen Schirm aussuchen, überlasse ich Ihnen. Auf jeden Fall würde ich fürs Erste das Pausengetränk ersetzen. Warum nicht eine 500g Dose Ovomaltine mit persönlichem Schriftzug bestellen? Mit dem Wunschtext: Alpenbitter.

Mit einem Prosit
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-NC-ND 3.0)