Der Minirock’n’Roll

Photograph cat by John Dunnigan on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Ich bin eine Frau in führender Position und mag mich nicht dem gängigen Clichée der Kleidungsnorm „graue toughe Maus“ unterwerfen. Deux-Pièces stehen mir einfach nicht und um hautfarbene Strumpfhosen mache ich einen weiten Bogen. Nun meinte eine Arbeitskollegin letzthin auch noch, sie würde nie mit offenen Haaren an ein Kundenmeeting gehen, da dies höchst unprofessionell wirke. Ich habe mir diese Frage noch nie gestellt (und bin wohl damit – wenn auch unwissentlich – schon des öfteren negativ aufgefallen). Resultieren mir also geschäftliche Nachteile aus meiner naiven Annahme, dass bei Geschäftsterminen meine Persönlichkeit im Vordergrund steht und diese bestenfalls durch meine Auftreten und meine Kleidung unterstrichen wird? Wäre es zukünftig somit ratsam, mich zu verkleiden? Barbara, 37, Head of Marketing

Liebe Barbara

Sie sollten wieder einmal bewusst Nachrichten sehen. Und sich dabei genau beobachten. Sie hören der Moderatorin zu wie sie von Bombendrohungen aus Nordkorea (Tagesschau) oder vergifteten Hühnern in Oberengstringen (TeleZüri) berichtet. Und Sie schauen genau hin. Nicht auf die Hühner oder Kim Jong-un. Sondern auf die Nachrichtensprecherin.

Auf den Sofas dieser Welt sind Kursstürze und Regierungskrisen nur die weiteren Nachrichten im Kurzüberblick. Die Themen, die bewegen: schlecht sitzende Anzüge in grellen Farben, Frisuren und überhaupt hat der Stylist der Nachrichtensendung wahrscheinlich den härteren Job als der Nahost-Korrespondent.

Und genau so verhält es sich auch in den Sitzungszimmern dieser Welt. Bei einer Präsentation müssen nicht nur Ihre Folien und Ihre Argumente überzeugen, sondern auch Sie selbst. Alles zählt. Vom Augenaufschlag bis zu den Zehennägeln. Auftreten, Kleidung, Parfüm, Frisur. Inhalt ist wichtig. Aber der Witz ist immer nur so gut wie der, der ihn erzählt. Bei Geschäftsterminen machen Sie den ersten Eindruck bereits beim Händedruck. Noch bevor Sie richtig den Mund aufgemacht haben.

Sie müssen sich nicht verkleiden. Sehen Sie den Hosenanzug oder das Deux-Pièce einfach als Uniform. Als Tarnanzug. Und schon fühlen Sie sich ein bisschen wie Peter Parker, Bruce Wayne oder Selina Kyle. Ich bin sicher, dass auch Sie ein Kostüm finden, mit Sie sich sich wohl fühlen. Wie stehen Sie denn da, wenn der Beamer ausfällt? Hoffentlich in einem Minirock (sollte aber nicht kürzer als eine Handbreite über dem Knie enden).

Und falls Sie es immer noch nicht glauben, sehen Sie die Nachrichten das nächste Mal ohne Ton.

Mit Nadelstreifen
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: 500px (CC BY-NC-ND 3.0)

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