Flower-Power

Photograph Pink flower tree by Honey Amarento-Borja on 500px

Lieber Chef vom Ganzen. Ich habe meiner Frau in der Mittagspause Blumen gekauft. Dazu gabs ein Kärtchen mit klaren Worten der Liebe, aber leider ohne konkrete Anrede. Zurück im Büro habe ich, um einen dringenden Anruf entgegenzunehmen, den Strauss kurz mal hingelegt – und zwar auf den Tisch einer Kollegin. Diese hat die Blumen leider schneller behändigt als ich und ist nun offensichtlich überzeugt, sie hätten ihr gegolten. Ergebnis: Sie schmachtet mich seither offen an. Den Moment der Wahrheit habe ich bereits verpasst. Was nun? Armin, 49, Head of Business Analysis

Lieber Armin

The power of flowers. So heisst der Slogan von Fleurop. Und er stimmt offensichtlich. Erinnert mich an einen meiner Lieblings-TV-Spots. Der lief vor ein paar Jahren. Ohne Aufschrei und ohne Sexismus-Debatte. Wohnzimmer. Feierabend. Wir sehen von hinten einen Mann bequem in seinem Sessel sitzen, die Hand auf der Lehne. Es läuft Fussball. Der Mann öffnet seine Hand. Die Frau läuft ins Zimmer und stellt ihm ein Bier hin. Abblender. Logo Fleurop. Und Slogan: The power of flowers.

So weit so schön. Aber nun hat ja Ihre Arbeitskollegin die Blumen erhalten und nicht Ihre Frau. Falls Sie verhindern möchten, dass Ihnen Ihre Arbeitskollegin in den Sitzungen wortlos Kaffee in die Hand stellt, sollten Sie die Situation klären.

Sie stehen in einer ungünstigen Lage. Sie haben Zuneigung vermittelt. Egal wie ihre Erklärung dafür ausfällt, dass es eigentlich nicht so ist, die Mitarbeiterin wird ein Gefühl der Zurückweisung erleben. Unerwiderte Liebe. Darauf reagieren Frauen (wie Männer) äusserst empfindlich.

Vielleicht kaufen Sie nochmals zwei Blumensträusse. Einen für Ihre Frau. Und einen für die Arbeitskollegin. Offenbaren Sie der Mitarbeiterin die Wahrheit. Dass der erste Strauss eigentlich für Ihre Frau gemeint war. Dass Sie sich geschmeichelt fühlen, ehrlich, diese Gefühle aber leider nicht erwidern können. Sie sind ja verheiratet.

Danach wird sie Sie nicht mehr offen anschmachten. Im Gegenteil. Mit Enttäuschung müssen Sie rechnen. Aber indem Sie die Gefühle der Mitarbeiterin ernst nehmen und sich mit einem Blumenstrauss dafür bedanken, ziehen Sie sich als Gentleman aus der Affäre. Es sei denn Sie suchen eine solche. Dann sollten Sie, aber das ist eine andere Frage.

Mit roten Rosen
Ihr Chef vom Ganzen

500px (CC BY-ND 3.0)

Advertisements

4 Kommentare

  1. Silvia S.

    Wow, was für ein Super-Ratschlag! So hätt ich es gerne: ehrlich, gerade hinaus, aber mit viel Stil. Chapeau an den Chef vom Ganzen.

  2. Pingback: Blogtipp: Fragen Sie den Chef vom Ganzen | Der LeuMund.ch | Blogs, blogtipp, newcomer, schweiz, supertext, tipp
  3. Pingback: Sexuelle Belästigung | Fragen Sie den Chef vom Ganzen
  4. Pingback: So peinlich | Fragen Sie den Chef vom Ganzen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s