Der Spitzbub

Croissant necklace

Lieber Chef. Ich arbeite seit 25 Jahren als Bäcker/Konditor. Ich mache Gipfeli und Weggli und Spitzbuben für einen Lohn von 4490.-/Monat. Jetzt möchte ich mich gerne neu orientieren. Mir schwebt Folgendes vor: Ich will etwas importieren oder herstellen, das es in der Schweiz noch nicht gibt und das alle gerne hätten. Ich wäre dann selbständig und mein Geschäft würde praktisch von selber laufen, weil ich dieses Ding dann nur noch verschicken muss. Also gerade das Gegenteil von den Weggli, die ich jeden Tag neu machen muss, weil sie die Leute ja immer wegessen. Leider weiss ich nicht, was dieses Ding sein könnte. Haben Sie eine Idee? René (43), Bäcker/Konditor

Lieber René

Gipfeli ist nicht gleich Gipfeli. Das wusste vor mehr als 40 Jahren schon Fredy Hiestand. Der arbeitete nach der Bäckerlehre zuerst als Taxifahrer, hörte auf zu rauchen um noch mehr Geld zu sparen und eröffnete 1967 mit dem ersparten Geld und einem 5000-Franken-Darlehen vom Götti in einer ausgedienten Wäscherei seine erste Bäckerei. Der Rest ist tiefgekühlte Geschichte. 300 Millionen Umsatz und 1800 Mitarbeiter.

Ob man Spitzbuben auch tiefkühlen kann, weiss ich nicht. Aber was ich weiss, ist, dass Sie unbedingt das tun sollten, was Sie am liebsten tun. Und das ist nicht Geld verdienen. Denn das tun nur die Banker in der Schweiz. Geld verdienen per se ist kein Tun. Geld verdienen ergibt sich erst aus Ihrem Tun, wenn es denn ein erfolgreiches Tun ist.

Im Moment tun Sie es für jemand anders. Um das zu ändern, brauchen Sie eine Idee. Und die liegt meist näher als Sie denken. Warum wollen Sie irgendein Ding importieren, wenn Sie es selbst backen können? Warum machen Sie es nicht genau umgekehrt und exportieren ein Ding, das die Leute immer wegessen? Und das Sie jeden Tag neu machen müssen?

In Griechenland, Portugal, Italien und Spanien essen sie hartes Brot. Nicht nur wegen dem Euro. Die wissen einfach nicht wie man gutes Schweizer Brot macht. Da könnten Sie wunderbar auftrumpfen mit Ihren Gipfeli, Weggli und Spitzbuben. Da könnten Sie irgendwo an einem schönen Ort am Meer ihre eigene Bäckerei aufmachen, wenn das ihr Ding ist, oder bestehenden Bäckereien Ihre Rezepte verkaufen.

Was Sie machen müssen, ist kein Businessplan. Sondern Urlaub. Und zwar da, wo es Ihnen wirklich gefällt. Und einfach mal mit allen Brotmachern, die Sie antreffen, ins Gespräch kommen. Dort werden Sie mehr über Ihr zukünftiges Business erfahren als an jedem Businessplan-Workshop.

Den Fünfer und das Weggli wünscht Ihnen
Ihr Chef vom Ganzen

Bild: Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

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